Rundbrief downloaden
Rundbrief
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Projekt
„Route der alten Obstsorten im Wendland“,
aus gegebenem Anlass möchten wir auf einige konkrete Punkte im Zusammenhang mit der Obstbaumpflege hinweisen:
Die im vergangenen Herbst innerhalb des Projekts „Route der alten Obstsorten im Wendland“ gepflanzten Obstbäume konnten angesichts der anhaltenden Trockenheit in den Monaten Juni und Juli 2010 nur durch wiederholtes durchdringendes Gießen am Leben erhalten werden. Einzelne gelbe und braune Blätter zeigten den Trockenstress der Bäume an. Diese Neuanpflanzungen werden auch in den nächsten Sommern, sofern die Niederschläge ausbleiben, ausreichend Zusatzwasser benötigen. Erst wenn die Bäume ein in die Tiefe entwickeltes Wurzelsystem gebildet haben, kann das Gießen unterbleiben.
Damit das erfahrungsgemäß sehr arbeitsaufwändige Gießen so effektiv wie möglich ist, wird nochmals darauf hingewiesen, dass um die Stammbasis herum im Durchmesser von 80-100 cm ein Gießring angelegt wird, der das seitliche oberflächliche Weglaufen des Wassers verhindert. Der Gießring ist nicht nur für die Pflanzung, sondern gerade für das sommerliche Gießen wichtig.
Der Bereich innerhalb des Gießrings wird großzügig mit pflanzlichem Mulchmaterial (Rasenschnitt, Strohhäcksel, Holzschnitzel o. ä.) ausgelegt. Damit wird ein schnelles Austrocknen der Baumscheibe nach dem Gießen verhindert und langfristig eine Neubildung von Grasnarbe vermieden.
Sollte sich im Lauf des Sommers die Baumscheibe wieder begrünt haben, so ist dieser Pflanzenbewuchs unbedingt zu entfernen. Geschieht dies nicht, so profitiert nur der oberflächliche Bewuchs vom Gießen und von den natürlichen Niederschlägen, während die Erde, in der die Baumwurzel steckt, weitestgehend trocken bleibt. Erst wenn die Baumwurzeln zu einer wasserführenden Schicht im Untergrund vorgestoßen sind, erübrigt sich das weitere Offenhalten der Baumscheibe. Das kann fünf Jahre oder sogar noch länger dauern. Bei Kontrollen bitte auch auf die feste Anbindung und den Stammschutz achten.
Die Mulchschicht sollte im Herbst entfernt werden. Sie wird dann nicht mehr benötigt und es könnten sich darunter Feldmäuse einnisten, die im Winter die Rinde des Stammes benagen würden. Ebenfalls ist auf Wühlmausgänge zu achten und gegebenenfalls rechtzeitig Bekämpfungsmaßnahmen (z. B. Fallen aufstellen) zu ergreifen. (Hinweis: Das schnelle Versickern des Gießwassers ist ein sicherer Hinweis auf Tiergänge!).
Wühlmausfraß an den Wurzeln erfolgt zumeist im Winter. Die Nager nutzen dann die im Sommer gegrabenen Gänge. Im Frühjahr mit Vegetationsbeginn wird eine neue Mulchschicht aufgebracht. Bei einem zu geringen Neuzuwachs an den Leitästen und der Stammverlängerung (Trieblänge < 20 cm) empfiehlt es sich, 2011 zusätzlich zur Mulchschicht eine Schicht verrotteten Stalldung aufzubringen. Alternativ kann auch ein vorsichtig (!) dosierter mineralischer Volldünger verabreicht werden. Eine zu geringe Neutrieblänge tritt ebenfalls ein, wenn beim Pflanzschnitt zu viele Triebe zu lang belassen wurden. Hier verhilft ein erneuter Rückschnitt zu einem kräftigeren Austrieb.
Verschiedentlich wurde von Projektteilnehmern berichtet, dass einzelne Bäume der Herbstpflanzung 2009 in diesem Jahr bereits Früchte tragen. Die zu frühe Ausbildung von Früchten geht eindeutig zulasten der Kronenentwicklung. Das heißt, dass Trieblänge und dicke zurückbleiben. Wesentlich problematischer für die weitere Entwicklung des Baumes ist allerdings, dass die Last der Früchte die normalerweise schräg aufrecht stehenden Leitäste nach unten zieht. Diese Äste verbleiben auch nach der Ernte der Früchte in dieser Lage. In der Konsequenz gibt es hier kein Längenwachstum mehr und der Baum ist vorzeitig vergreist.
Aus diesem Grund wird empfohlen, den Fruchtansatz zu entfernen, am besten mit einer Schere, um Beschädigungen des künftigen Fruchtholzes zu vermeiden. Sollten bereits nach unten gezogene Triebe entstanden sein, so können sie durch Hochbinden korrigiert werden. Erst ein über mehrere Jahre hinweg praktizierter fachgerechter Erziehungsschnitt schafft tragfähige Kronengerüste, die vom Gewicht der sich ent-wickelnden Früchte nicht so schnell aus der Form geraten.
Im Verlauf der neuen Projektphase wird es wieder Kursangebote zum fachgerechten Obstbaumschnitt geben. Zum Schluss sei nochmals auf die Broschüre „Pflanzen und Pflegen“ verwiesen, die jedem Projektteilnehmer zugegangen ist, und in der mancher der oben gegebenen Hinweise enthalten ist. Wer die Broschüre nicht erhalten hat, kann sie auf unserer Homepage unter www.route-der-alten-obstsorten-im-wendland.de runterladen.
All jenen, die ihre Bäume bisher unversehrt durch die Trockenheit gebracht haben, sagen wir: Herzlichen Glückwunsch!
Es grüßen Sie
Asta von Oppen , Silke Last und Reinhard Heller
Rundbrief downloaden
Rundbrief
Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Projekt „Route der alten Obstsorten im Wendland“,
aus gegebenem Anlass möchten wir auf einige konkrete Punkte im Zusammenhang mit der Obstbaumpflege hinweisen:
Die im vergangenen Herbst innerhalb des Projekts „Route der alten Obstsorten im Wendland“ gepflanzten Obstbäume konnten angesichts der anhaltenden Trockenheit in den Monaten Juni und Juli 2010 nur durch wiederholtes durchdringendes Gießen am Leben erhalten werden. Einzelne gelbe und braune Blätter zeigten den Trockenstress der Bäume an. Diese Neuanpflanzungen werden auch in den nächsten Sommern, sofern die Niederschläge ausbleiben, ausreichend Zusatzwasser benötigen. Erst wenn die Bäume ein in die Tiefe entwickeltes Wurzelsystem gebildet haben, kann das Gießen unterbleiben.
Damit das erfahrungsgemäß sehr arbeitsaufwändige Gießen so effektiv wie möglich ist, wird nochmals darauf hingewiesen, dass um die Stammbasis herum im Durchmesser von 80-100 cm ein Gießring angelegt wird, der das seitliche oberflächliche Weglaufen des Wassers verhindert. Der Gießring ist nicht nur für die Pflanzung, sondern gerade für das sommerliche Gießen wichtig.
Der Bereich innerhalb des Gießrings wird großzügig mit pflanzlichem Mulchmaterial (Rasenschnitt, Strohhäcksel, Holzschnitzel o. ä.) ausgelegt. Damit wird ein schnelles Austrocknen der Baumscheibe nach dem Gießen verhindert und langfristig eine Neubildung von Grasnarbe vermieden.
Sollte sich im Lauf des Sommers die Baumscheibe wieder begrünt haben, so ist dieser Pflanzenbewuchs unbedingt zu entfernen. Geschieht dies nicht, so profitiert nur der oberflächliche Bewuchs vom Gießen und von den natürlichen Niederschlägen, während die Erde, in der die Baumwurzel steckt, weitestgehend trocken bleibt. Erst wenn die Baumwurzeln zu einer wasserführenden Schicht im Untergrund vorgestoßen sind, erübrigt sich das weitere Offenhalten der Baumscheibe. Das kann fünf Jahre oder sogar noch länger dauern. Bei Kontrollen bitte auch auf die feste Anbindung und den Stammschutz achten.
Die Mulchschicht sollte im Herbst entfernt werden. Sie wird dann nicht mehr benötigt und es könnten sich darunter Feldmäuse einnisten, die im Winter die Rinde des Stammes benagen würden. Ebenfalls ist auf Wühlmausgänge zu achten und gegebenenfalls rechtzeitig Bekämpfungsmaßnahmen (z. B. Fallen aufstellen) zu ergreifen. (Hinweis: Das schnelle Versickern des Gießwassers ist ein sicherer Hinweis auf Tiergänge!).
Wühlmausfraß an den Wurzeln erfolgt zumeist im Winter. Die Nager nutzen dann die im Sommer gegrabenen Gänge. Im Frühjahr mit Vegetationsbeginn wird eine neue Mulchschicht aufgebracht. Bei einem zu geringen Neuzuwachs an den Leitästen und der Stammverlängerung (Trieblänge < 20 cm) empfiehlt es sich, 2011 zusätzlich zur Mulchschicht eine Schicht verrotteten Stalldung aufzubringen. Alternativ kann auch ein vorsichtig (!) dosierter mineralischer Volldünger verabreicht werden. Eine zu geringe Neutrieblänge tritt ebenfalls ein, wenn beim Pflanzschnitt zu viele Triebe zu lang belassen wurden. Hier verhilft ein erneuter Rückschnitt zu einem kräftigeren Austrieb.
Verschiedentlich wurde von Projektteilnehmern berichtet, dass einzelne Bäume der Herbstpflanzung 2009 in diesem Jahr bereits Früchte tragen. Die zu frühe Ausbildung von Früchten geht eindeutig zulasten der Kronenentwicklung. Das heißt, dass Trieblänge und dicke zurückbleiben. Wesentlich problematischer für die weitere Entwicklung des Baumes ist allerdings, dass die Last der Früchte die normalerweise schräg aufrecht stehenden Leitäste nach unten zieht. Diese Äste verbleiben auch nach der Ernte der Früchte in dieser Lage. In der Konsequenz gibt es hier kein Längenwachstum mehr und der Baum ist vorzeitig vergreist.
Aus diesem Grund wird empfohlen, den Fruchtansatz zu entfernen, am besten mit einer Schere, um Beschädigungen des künftigen Fruchtholzes zu vermeiden. Sollten bereits nach unten gezogene Triebe entstanden sein, so können sie durch Hochbinden korrigiert werden. Erst ein über mehrere Jahre hinweg praktizierter fachgerechter Erziehungsschnitt schafft tragfähige Kronengerüste, die vom Gewicht der sich ent-wickelnden Früchte nicht so schnell aus der Form geraten.
Im Verlauf der neuen Projektphase wird es wieder Kursangebote zum fachgerechten Obstbaumschnitt geben. Zum Schluss sei nochmals auf die Broschüre „Pflanzen und Pflegen“ verwiesen, die jedem Projektteilnehmer zugegangen ist, und in der mancher der oben gegebenen Hinweise enthalten ist. Wer die Broschüre nicht erhalten hat, kann sie hier runterladen.
All jenen, die ihre Bäume bisher unversehrt durch die Trockenheit gebracht haben, sagen wir: Herzlichen Glückwunsch!
Asta von Oppen , Silke Last und Reinhard Heller
Artikel als pdf downloaden
Pflanzen und Pflegen
von Reinhard Heller
Vorgehensweisen bei Pflanzungen von Streuobstbäumen
Standorteignungsprüfung-Sortenwahl-Pflanzanleitung
1. Standort
Vor der Pflanzung muss eingehend geprüft werden, ob der beabsichtigte Standort geeignet ist. Dazu empfiehlt es sich, ein Bodenprofil aufzugraben, um die Mächtigkeit des dunklen Oberbodens zu ermitteln. Dieser sollte mindestens 50 cm stark sein. Der Standort darfweder zu trocken sein, noch Staunässe aufweisen und sollte sich nicht in einer durch Spätfröste gefährdeten Senke befinden.
Eine völlig freie, vor Wind ungeschützte Lage ist ebenso ungünstig wie eine eingeschlossene Lage, zum Beispiel eine Waldlichtung, wo es keine Windbewegung gibt. Ideal ist ein Standort in Siedlungsnähe, der vor heftigen westlichen Winden geschützt ist. Es sollte ein ausreichender Abstand zu großkronigen Laub- und Nadelbäumen eingehalten werden. Achten Sie darauf, dass Obstbäume niemals in den Wurzelbereich anderer Bäume hineingepflanzt werden. Sie würden im Konkurrenzkampf um Wasser und Nährstoffe unterliegen.
Sollte es in unmittelbarer Umgebung der zu bepflanzenden Fläche große, alte, gesunde und ertragreiche Obstbäume geben, so kann der Standort als geeignet angesehen werden und eine Eignungsprüfung erübrigt sich. Stellen Sie fest, welche Sorten am häufigsten vertreten sind. Somit erhalten Sie einen ersten Anhaltspunkt, welche Sorten für die geplante Pflanzung erfolgversprechend sind.
Ist der Boden zu sandig und zu trocken, so sollte man von einer Obstbaumpflanzung Abstand nehmen. Selbst anspruchslose Sorten wollen hier nicht recht wachsen. Im permanent staunassen Boden würden die Bäume „ersticken“
2. Sortenwahl
Für die Pflanzung kommen ausschließlich Sorten in Betracht, die robust sind und ohne synthetische Pflanzenschutzmittel auskommen. Ein leichter Krankheitsbefall ist weder bestandsbedrohend noch entwertet er in bedeutendem Umfang die Ernte, so dass er in der Regel toleriert werden kann. Im Idealfall liegt eine genetisch fxierte Resistenz (z. B. gegen den Schorfpilz) vor. Vorbeugend ist auf einen guten Pflegezustand (fachgerechter Baumschnitt, optimale Wasser- und Nährstoffversorgung) sowie eine effiziente biologische Bekämpfung von Schadinsekten (Vogelnistkästen!) zu achten.
Die zur Pflanzung vorgesehenen Hochstämme stehen auf starkwüchsiger Obstbaumunterlage, die langlebig ist und ein großes Bodenvolumen erschließt. Für den Zeitraum von 3-5 Jahren nach der Pflanzung muss bei Sommertrockenheit allerdings reichlich gegossen werden. Der Baum zeigt Ihnen mit kräftigen Jahrestrieben an, dass ihm Standort und Pflegestatus behagen.
Um eine optimale Bestäubung sicher zu stellen, sind bei der Planung der Pflanzung anerkannte Bestäubersorten einzubeziehen. Diese sind im folgenden mit * markiert.
Die Genussreife gibt die Zeitspanne optimaler Geschmacks-entfaltung für den Rohverzehr an (z. B. 3 - 6 bedeutet: von März bis Juni). Das Apfelsortiment ist im wesentlichen auf der Basis jener Sorten erstellt worden, die bei öffentlichen Sortenbestimmungen im Wendland vorgelegt worden sind.
Mit ● sind die Sorten markiert, die wiederholt bis häufig auftraten. Man kann unterstellen, dass diese Sorten besonders beliebt waren und es noch immer sind und mit den speziellen Boden- und Klimabedingungen im Wendland gut zurechtkommen. Aus diesem Grund sollten sie künftig bei geplanten Neupflanzungen bevorzugt Berücksichtigung finden, ohne die seltener vorkommenden Sorten dabei aus dem Auge zu verlieren.
Sortenempfehlung für das Wendland/Niedersachsen
Äpfel


3. Planzanleitung
• beste Pflanzzeit ist der Herbst (Oktober/November), da im Frühjahr gepflanzte Bäume während der Trockenperioden sehr viel öfter gegossen werden müssen.
• Standort der Bäume festlegen (8 -10 m Abstand zwischen hochstämmigen Bäumen), benötigtes Material und Werkzeug bereitlegen
• Größe der Pflanzgrube (bei magerem Boden 1 m Durchmesser, sonst 1,5-fache Länge des Wurzeldurchmessers) mit dem Spaten markieren, oberflächlichen Bewuchs abstechen und gesondert ablegen, da er beim Verfüllen nicht wieder verwendet wird
• Erde einen Spatenstich tief ausheben, was i. d. R. ausreichend ist, um die Wurzel des Baumes unterzubringen, Untergrund mit dem Spaten nur lockern, nicht wenden
• Am Baum wird der Pflanzschnitt vorgenommen (wichtig!): Verletzte, abgeknickte und abgerissene Wurzeln glatt schneiden. Außer der Stammverlängerung (Spitze) werden 3-4 Leitäste belassen, die restlichen werden weggeschnitten, die Leitäste werden jeweils auf ein nach außen stehendes Auge (Knospe) eingekürzt, so dass sich die Schnittflächen auf einer Ebene (Saftwaage) befinden, zuletzt die Stammverlängerung etwa 20 cm über der Saftwaage der Leitäste einkürzen
• Baumpfahl/pfähle in die Pflanzgrube einschlagen
• Der Baum wird in die Pflanzgrube gestellt und geprüft, ob er nicht zu hoch oder zu tief steht, der oberste Wurzelansatz sollte geradeeben mit Erde bedeckt sein, die Veredlungsstelle muss deutlich aus der Erde herausragen
• Pflanzgrube mit lockerer Erde anfüllen und vorsichtig mit dem Fuß verdichten
• Gießring formen und reichlich angießen, gegebenenfalls fehlende Erde/Komposterde nachfüllen, Baumscheibe mit verrottetem Mist abdecken; soll gemulcht werden, im Winter Mulchmaterial in Baumstammnähe entfernen.
• Baum unterhalb der Krone am Baumpfahl anbinden, der Baumpfahl endet knapp unterhalb des untersten Leitastansatzes
• Eventuell notwendigen Verbissschutz am Stamm anbringen (gegen Wild, Weidetiere)
• Man arbeitet beim Pflanzen der Bäume am besten zu zweit oder zu dritt.
• Für die in den Folgejahren notwendigen fachgerechten Baumschnittmaßnahmen (Erziehung/Instandhaltung) sollte eine Unterweisung in Theorie und Praxis absolviert werden.
|